Eigentlich war der Malkurs ein voller Erfolg, oder…?
- Nadine - Bovka Painting

- vor 3 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Vor Kurzem fand einer meiner bisher am häufigsten gewünschten Malkurse statt: unser gemeinsamer Acryl-Malkurs mit Regensburg-Motiv.
Gemeinsam brachten wir die Steinerne Brücke, den Regensburger Dom und die Donau auf die Leinwand und verbrachten einen kreativen Tag voller Farben, Konzentration, guter Gespräche und natürlich jeder Menge Spaß.
Die Entwicklung des Motivs hatte mich im Vorfeld fast zwei Wochen beschäftigt. Immer wieder habe ich Entwürfe verworfen, vereinfacht und neu aufgebaut, bis schließlich eine Version entstanden war, die den Charme Regensburgs einfängt und gleichzeitig auch für Anfänger umsetzbar ist.
Am Ende des Kurstages blickte ich in viele glückliche Gesichter und auf wunderschöne Kunstwerke.
Eigentlich also ein rundum gelungener Tag.
Eigentlich.
Denn wer mich kennt, weiß: Ich bin mein größter Kritiker.

Wenn der Kurs vorbei ist, beginnt bei mir die Nachbereitung
Während viele Kursleiter nach einem erfolgreichen Kurstag vermutlich einfach zufrieden nach Hause fahren und den schönen Moment genießen, beginnt bei mir danach oft noch eine zweite Runde.
Allerdings nicht mit Farben und Pinseln.
Sondern in meinem Kopf.
Ich reflektiere.
Ich analysiere.
Ich überlege:
Was hat gut funktioniert?
Was könnte ich beim nächsten Mal noch besser machen?
Nicht, weil etwas schlecht war.
Sondern weil ich meinen Teilnehmern immer die bestmögliche Erfahrung ermöglichen möchte.
Ich freue mich unglaublich über schöne Ergebnisse und darüber, wenn Menschen stolz ihre Bilder nach Hause tragen.
Aber gleichzeitig stelle ich mir nach jedem einzelnen Malkurs die Frage:
Habe ich wirklich alles getan, damit dieser Tag für meine Teilnehmer etwas Besonderes war?
Gerade das Regensburg-Motiv war eine besondere Herausforderung.
Nicht unbedingt wegen der Maltechnik selbst, denn diese konnte ich super anfängerfreundlich vereinfachen, sondern wegen der vielen Details: die Gebäude, die Perspektiven, die Spiegelungen im Wasser und all die kleinen Elemente, die dieses Motiv so besonders machen.
Und genau diese Details brauchen vor allem eines: Zeit und Ausdauer.
Aus den geplanten vier Stunden wurden deshalb am Ende fast fünf Stunden (inkl. Mittagspause), in denen wir gemeinsam konzentriert gemalt und Schritt für Schritt unsere Bilder entstehen lassen haben.
Und wie das bei langen kreativen Tagen manchmal so ist: Irgendwann merkt man einfach, dass die Energie und Konzentration langsam nachlässt.
Genau deshalb stellte ich mir nach dem Kurs die Frage:
"Was ist, wenn ein Teilnehmer sein Bild zwar grundsätzlich sehr gerne mag, aber Zuhause mit neuer Energie plötzlich merkt, dass er vielleicht noch das eine oder andere Detail ergänzen möchte?"
Nicht, weil die Ergebnisse meiner Teilnehmer nicht schön gewesen wären - ganz im Gegenteil.
Die entstandenen Kunstwerke waren wirklich beeindruckend und ich war unglaublich stolz auf jeden einzelnen Teilnehmer.
Aber trotzdem ließ mich dieser Gedanke nicht mehr los.
Denn mein Anspruch ist nicht nur, dass meine Teilnehmer einen schönen Tag verbringen.
Mein Anspruch ist, dass sie glücklich mit ihrem Kunstwerk sind und mit einem rundum guten Gefühl auf den gemeinsamen Kurstag zurückblicken.
Erst eine Idee – dann eine noch bessere
Also begann ich zu überlegen.
Was könnte ich tun?
Was kann ich daraus für die Zukunft mitnehmen?
Natürlich zog ich auch meine Learnings für die Zukunft daraus. Bei einem ähnlich detailreichen Motiv würde ich künftig wahrscheinlich einen zweitägigen Malkurs daraus machen. So hätten wir alle noch mehr Zeit, um die vielen kleinen Details in Ruhe auszuarbeiten und den Tag etwas entspannter zu gestalten.
Doch viel wichtiger war für mich eine andere Frage:
Was kann ich für die Teilnehmer von diesem Malkurs tun?
Nicht beim nächsten Mal.
Nicht irgendwann in der Zukunft.
Sondern jetzt.
Für die Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt und diesen Tag gemeinsam mit mir verbracht haben.
Meine erste Idee war eine Videolektion.
Ich wollte die letzte Stunde des Malkurses noch einmal in Ruhe aufnehmen und gemeinsam mit den Kursfotos verschicken. So hätte jeder Teilnehmer die Möglichkeit gehabt, einzelne Schritte zuhause noch einmal anzusehen und sein Bild bei Bedarf mit frischer Energie weiter zu verfeinern.
Je länger ich darüber nachdachte, desto besser gefiel mir die Idee.
Bis mir plötzlich ein entscheidender Haken auffiel.
Die meisten Teilnehmer besitzen zuhause gar keine Acrylfarben oder passende Pinsel.
Mit anderen Worten:
Die Videolektion hätte theoretisch geholfen – praktisch aber vielen gar nichts gebracht.
Also musste eine bessere Lösung her.
Eine Idee von Herzen
Nach einigem Überlegen kam mir schließlich ein Gedanke, der sich sofort richtig angefühlt hat:
Warum nicht einfach die Türen meines Ateliers öffnen?
Kurzerhand lud ich alle Teilnehmer des Regensburg Malkurses zu einem „Offenen Atelier“ am darauffolgenden Samstag ein.
Bis zu sechs Personen hätten an meinem großen Arbeitstisch Platz gefunden, um noch einmal ganz in Ruhe an ihren Bildern weiterzuarbeiten, Fragen zu stellen, Details zu ergänzen oder ihrem Kunstwerk den letzten Feinschliff zu geben.
Natürlich kostenlos.
Nicht als weiterer Kurs.
Nicht weil ich irgendetwas davon habe.
Sondern einfach als Einladung von Herzen.
Denn meine Teilnehmer schenken mir ihr Vertrauen.
Sie investieren ihre Zeit, ihre Energie und ihr Geld, um einen kreativen Tag mit mir zu verbringen.
Vielleicht klingt das für manche selbstverständlich.
Für mich ist es das nicht.
Und genau deshalb möchte ich ihnen auch etwas zurückgeben.
Denn hinter jeder Buchung steht ein Mensch, der sich bewusst dafür entschieden hat, einen Teil seiner Zeit mit mir zu verbringen.
Das empfinde ich keineswegs als selbstverständlich, sondern als großes Geschenk.
Die schönste Rückmeldung überhaupt
Ich muss zugeben: Nachdem ich die Einladung zum Offenen Atelier verschickt hatte, war mein Kopf deutlich aktiver als meine Teilnehmer.
Denn während die vermutlich gemütlich zuhause saßen und stolz ihre Bilder betrachteten, lief bei mir innerlich plötzlich das komplette Katastrophenprogramm.
Immerhin waren 12 der 15 Teilnehmer keine Neulinge, sondern bereits in mindestens einem meiner früheren Malkurse dabei gewesen.
Viele kannte ich vom Bob-Ross-Landschaftsmotiv, vom Eisvogel-Malkurs oder vom gemeinsamen Aquarellmalen.
Und genau deshalb machte ich mir plötzlich Sorgen.
Nicht die vernünftigen Sorgen.
Sondern die völlig übertriebenen Perfektionisten-Sorgen.
Mein Kopf begann nämlich, eine Geschichte zu erzählen, die mit der Realität vermutlich herzlich wenig zu tun hatte.
In dieser Vorstellung meldeten sich plötzlich ganz viele Teilnehmer für das Offene Atelier an.
Und aus diesen fiktiven Anmeldungen machte mein Gehirn innerhalb weniger Minuten folgende Schlussfolgerung:
„Oh nein. Das bedeutet bestimmt, dass ihnen der Kurs gar nicht gefallen hat.“
„Wahrscheinlich fanden sie das Motiv viel zu kompliziert.“
„Bestimmt sind sie enttäuscht von mir.“
„Vielleicht kommen sie nie wieder zu einem meiner Malkurse.“
„Super, Nadine. Jetzt hast du dir in einem einzigen Kurs alles kaputt gemacht.“
Je länger ich darüber nachdachte, desto dramatischer wurde die Geschichte in meinem Kopf.
Rückblickend betrachtet natürlich völliger Unsinn.
Aber genau so funktioniert manchmal ein Mensch, dem seine Teilnehmer wirklich am Herzen liegen und der einen sehr hohen Anspruch an sich selbst hat.
Die Realität sah dann glücklicherweise ganz anders aus.
Niemand meldete sich für das Offene Atelier an.
Stattdessen erhielt ich in den darauffolgenden Tagen mehrere liebe Nachrichten von meinen Teilnehmern:
Wertschätzende und bedankende Worte für den schönen kreativen Tag, Nachfragen zu den nächsten Kursterminen und wann die Anmeldungen starten, eine Nachfrage für privaten Malunterricht bei mir im Atelier und sogar ein Geschenk einer Teilnehmerin.
Spätestens da wurde mir klar:
Mein Kopf hatte mal wieder ein deutlich größeres Drama produziert als die Wirklichkeit (hihi) ❤️
Aber wisst ihr was?
Solche Momente mit meinen Teilnehmern berühren mich jedes Mal aufs Neue.
Weil sie mir zeigen, dass es bei meinen Malkursen um weit mehr geht als nur um Farben, Pinsel und Leinwände.
Es sind diese Momente, in denen ich spüre, dass sich Menschen bei mir wohlfühlen.
Dass sie gerne wiederkommen.
Dass sie den nächsten Kurs kaum erwarten können und Teil dieser kleinen kreativen Gemeinschaft bleiben möchten.
Und genau das ist in meinen Augen das größte und schönste Kompliment überhaupt.
Denn letztendlich versuche ich in meinen Kursen genau das zu schaffen: einen Ort, an dem man einfach sein darf, wie man ist.
Ohne Leistungsdruck, ohne Vergleiche und ohne die Angst, etwas falsch zu machen.
Umso mehr berührt es mich, wenn ich merke, dass meine Teilnehmer mir genau dieses Gefühl immer wieder zurück schenken.
Sie zeigen mir durch ihre Wertschätzung, ihre Treue und ihre Herzlichkeit, dass auch ich einfach so sein darf, wie ich bin.
Dass ich nicht perfekt sein muss.
Und dass das, was wir gemeinsam erschaffen, für beide Seiten etwas Besonderes ist. ❤️
Übrigens: die Tickets für den darauffolgenden Malkurs waren innerhalb von nur 6 Stunden fast vollständig ausverkauft - so schnell wie noch nie!
Und das Schönste daran:
Die meisten Anmeldungen kamen von Teilnehmern aus genau diesem Regensburg-Malkurs.
Ich hatte mich also völlig umsonst verrückt gemacht (ups hihi) 🙈❤️
Warum ich meine Arbeit so liebe
Wenn mich jemand fragt, warum ich Malkurse gebe, lautet die Antwort nicht einfach „weil ich gerne male“.
Natürlich liebe ich die Kunst.
Aber noch viel mehr liebe ich die Menschen, die ich dadurch kennenlernen darf.
Jeder Kurs bringt neue Begegnungen, neue Geschichten und neue Persönlichkeiten mit sich. Es entstehen Gespräche, gemeinsames Lachen, kleine Erfolgserlebnisse und oft eine ganz besondere Gruppendynamik.
Zu erleben, wie Menschen morgens mit Respekt vor einer leeren Leinwand starten und wenige Stunden später stolz ihr eigenes Kunstwerk in den Händen halten, gehört für mich zu den schönsten Momenten überhaupt.
Und wenn mir Teilnehmer nach einem Kurs schreiben, sich bedanken, nach dem nächsten Termin fragen oder sogar kleine Aufmerksamkeiten mitbringen, dann erinnert mich das jedes Mal daran, warum ich diesen Weg eingeschlagen habe.
Diese Arbeit macht mich unglaublich glücklich.
Wegen den vielen wunderbaren, herzlichen und wertschätzenden Menschen, die ich dadurch kennenlernen darf.
Und ich hoffe, dass meine Teilnehmer durch die Einladung zum Offenen Atelier vor allem eines gespürt haben:
Wie wichtig mir ihr Glücklichsein ist.
Denn am Ende ist genau das meine Mission.
Nicht einfach nur Malkurse anzubieten.
Sondern Menschen eine kreative Auszeit vom Alltag zu schenken, schöne Erinnerungen zu schaffen und ihnen zu zeigen, was alles in ihnen steckt.
Und genau deshalb freue ich mich schon jetzt auf die nächsten gemeinsamen Kreativabenteuer ❤️
Eure Nadine





























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